Every Body ist das Motto des Welttags der sexuellen Gesundheit 2026: Es richtet den Blick auf jeden Menschen und den Körper, in dem er lebt. Die WAS widmete den 4. September 2026 dieser Botschaft. Das Motto lenkt die Aufmerksamkeit auf Hindernisse beim Zugang zu sexuellem Wohlbefinden. Quelle: WAS.

Bedeutet Inklusion, dass alle dasselbe wollen sollten?

Nein. Ein inklusives Gespräch lässt Raum für unterschiedliche Wünsche und dafür, eine bestimmte Erfahrung nicht machen zu wollen. Unterschiedliche Körper auf einem Foto reichen nicht aus, wenn die Geschichte dazu allen dasselbe Ziel vorgibt. Ein Mensch sucht vielleicht eine Beziehung, ein anderer Informationen oder Privatsphäre. Entscheidend ist, die eigene Frage ausdrücken zu können.

Ein hypothetisches Beispiel: Zwei gleichaltrige Menschen lesen einen Artikel über Intimität. Einer möchte eine Idee mit einem Partner oder einer Partnerin teilen, der andere sucht keine sexuelle Aktivität. Beide können eine klare Erklärung hilfreich finden. Der Artikel muss nicht entscheiden, wer von beiden richtig lebt.

Auf welche Hindernisse treffen Menschen mit Behinderungen?

Eine Leitlinie von WHO und UNFPA aus dem Jahr 2009 hält fest, dass Menschen mit Behinderungen ebenso wie andere Menschen Bedürfnisse im Bereich sexueller und reproduktiver Gesundheit haben, aber beim Zugang zu Informationen und Angeboten auf Barrieren treffen. Ein vorhandenes Angebot allein stellt also noch nicht sicher, dass jemand es nutzen kann.

Stellen wir uns einen Termin vor, bei dem eine Person im Rollstuhl eine Frage stellt, die Antwort aber nur an ihre Begleitperson gerichtet wird. Das ist ein hypothetisches Beispiel dafür, wie jemand aus einem Gespräch ausgeschlossen wird. Die Person direkt anzusprechen und ihr die Wahl einer Unterstützung zu lassen, ist etwas anderes, als vorab festzulegen, wer für sie antworten soll.

Ein weiteres mögliches Beispiel sind Informationen, die jemand nur mündlich erhält, obwohl die Person sie schriftlich braucht. Das Thema mag passen, aber das Format verhindert das Verstehen. Der Bedarf an einem zugänglichen Format sagt nichts über Wünsche oder Entscheidungen dieser Person aus.

Warum spielt auch das Erwachsenenalter eine Rolle?

Die WHO erläutert, dass sexuelle Gesundheit im gesamten Lebensverlauf wichtig ist, auch jenseits der reproduktiven Jahre, und dass sich Bedürfnisse verändern können. Eine Frage zur Intimität von einem siebzigjährigen Menschen verdient daher Aufmerksamkeit. Das Alter sollte nicht automatisch die Antwort auf dessen eigentliche Frage werden.

Gibt es konkrete Beispiele für Beteiligung?

Ja. In einer im Juni 2025 aktualisierten Darstellung beschreibt UNFPA Schulungen zur Interessenvertretung für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte in Lateinamerika und der Karibik. Daran nahmen 160 Frauen mit Behinderungen aus 19 Ländern teil. Das ist ein dokumentiertes Beispiel dafür, wie Menschen für ihre eigenen Rechte eintreten.

Die Botschaft von Every Body gilt über den Aktionstag hinaus. Wir können einen Menschen als Gesprächspartner anerkennen, ohne anzunehmen, seine Erfahrungen bereits zu verstehen. Inklusion wird konkret, wenn jeder Mensch seine eigenen Fragen stellen kann und gehört wird, mit Antworten in einer zugänglichen Form.

Quellen

  1. WAS: World Sexual Health Day 2026, Every Body
  2. WHO / UNFPA, 2009: Promoting sexual and reproductive health for persons with disabilities
  3. WHO, 11 February 2022: Redefining sexual health for benefits throughout life
  4. UNFPA: Disability inclusion, updated 17 June 2025

Aufklärende Inhalte: keine individuellen Diagnosen oder klinische Beratung.

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