Die Geschichte sexuellen Wohlbefindens hat mehrere Anfänge: Verhaltensforschung, öffentliche Gesundheit und die Anerkennung von Rechten. Die hier zusammengestellten Dokumente nennen weder einen einzelnen Erfinder noch einen Geburtstag von „Sexual Wellness“. Sie ermöglichen, konkrete Entwicklungen nachzuverfolgen, von Forschungsinstituten bis zu Erklärungen zur Lust.
Was umfasst diese Chronologie?
Dies ist eine Auswahl dokumentierter institutioneller Meilensteine der jüngeren Geschichte. Sie bildet nicht die gesamte Geschichte der Sexualität ab und klärt nicht, wer den englischen Ausdruck sexual wellness zuerst verwendet hat. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung und eine internationale Konferenz beantworten unterschiedliche Fragen. Ihre zeitliche Einordnung zeigt, wo sich die Themen berühren.
Welche Rolle spielte das Kinsey-Institut?
1947, USA. Am 8. April gründeten Alfred Kinsey und sein Team das Institute for Sex Research, das der Forschung und der Bewahrung ihrer Materialien dienen sollte. Die beiden als Kinsey-Reports bekannten Bände erschienen 1948 und 1953. Die Geschichte des Instituts dokumentiert diese Schritte.
Dies ist eine Etappe einer Forschungstradition und nicht der Beginn menschlichen Interesses an Sex. Das Sammeln von Berichten und Daten verändert die Frage: Neben Debatten darüber, was Menschen tun sollten, tritt der Versuch, ihre Erfahrungen zu beschreiben. Um die Ergebnisse zu beurteilen, muss man trotzdem wissen, wer beteiligt war und wie geforscht wurde.
Seit wann befasst sich die WHO mit sexueller Gesundheit?
1974–1975. Die WHO führt ihre Arbeit mindestens auf ein Expertentreffen von 1974 zurück, auf das 1975 der Bericht Education and treatment in human sexuality folgte. 2002–2006. Eine spätere Konsultation führte zu den 2006 veröffentlichten Arbeitsdefinitionen. Die Daten beschreiben einen institutionellen Prozess und nicht die Geburt einer positiven Sicht auf Sexualität. Quelle: WHO, Defining sexual health.
Wie kommen Rechte und Bildung in diese Geschichte?
- 1994, Kairo. Auf der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung verabschiedeten 179 Regierungen ein Aktionsprogramm. UNFPA beschreibt eine Verlagerung von Bevölkerungszahlen hin zu individuellen Lebensrealitäten und Rechten, einschließlich reproduktiver Gesundheit.
- 2010. Die WAS rief den Welttag der sexuellen Gesundheit ins Leben, der am 4. September begangen wird. Damit entstand ein jährlicher öffentlicher Anlass für dieses Thema.
- 2018. UNESCO und Partnerorganisationen der Vereinten Nationen veröffentlichten die überarbeitete internationale technische Leitlinie zur Sexualaufklärung zur Unterstützung von Bildungspolitik und Bildungsprogrammen.
- 2019–2021. Die WAS-Erklärung zur sexuellen Lust wurde 2019 in Mexiko-Stadt verkündet; ihre endgültige Fassung wurde 2021 ratifiziert.
Bedeutet eine Erklärung, dass sich bereits etwas verändert hat?
Nein. Ein Datum kann die Verabschiedung eines Dokuments markieren, ohne zu zeigen, wann ein Mensch Zugang zu Informationen oder Angeboten erhielt. Darin liegt der Unterschied zwischen einer öffentlichen Verpflichtung und ihrer Umsetzung. Vergleiche zwischen Ländern sollten deshalb erklären, was sie vergleichen, statt einer gesamten Gesellschaft ein einziges Veränderungstempo zuzuschreiben.
Eine hilfreiche Frage an die Geschichte von Sexual Wellness lautet: „Was hat sich verändert, für wen und wo?“ Diese Chronologie bietet überprüfbare Ausgangspunkte. Lokale Geschichten können ergänzen, was eine Datenfolge nicht zeigt: Wie gelangten diese Ideen in den Alltag, oder warum haben sie einige Menschen noch nicht erreicht, denen sie zugutekommen sollten?
Quellen
Aufklärende Inhalte: keine individuellen Diagnosen oder klinische Beratung.
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