Lust gehört zur Arbeitsdefinition sexueller Gesundheit, die die WHO verwendet. Die WHO betrachtet sie im Zusammenhang mit Sicherheit und Respekt. Sie schreibt weder eine bestimmte Menge Sex noch ein zu erreichendes Ergebnis vor. Quelle: WHO, Sexual health.

Sind sexuelle Gesundheit und sexuelles Wohlbefinden dasselbe?

Die Begriffe hängen zusammen, sollten aber bewusst verwendet werden. Sexuelle Gesundheit umfasst bei der WHO bereits mehr als die Abwesenheit von Krankheiten. Der Blick auf Wohlbefinden ermöglicht weitere Fragen: Wie erlebe ich meine Sexualität? Fühle ich mich respektiert? Kann ich Entscheidungen treffen, die sich wie meine eigenen anfühlen?

Ein theoretischer Beitrag von Mitchell und anderen aus dem Jahr 2021 schlägt vor, sexuelles Wohlbefinden als eigenständiges Konzept zu untersuchen. Dazu gehören auch Selbstbestimmung und ein unbefangenes Verhältnis zur eigenen Sexualität. Das ist ein Forschungsansatz, keine neue Diagnose oder allgemeingültige Definition, die den Rahmen der WHO ersetzt.

Ein hypothetisches Beispiel macht den Unterschied greifbar. Eine Person sucht Informationen über sexuell übertragbare Infektionen und möchte gleichzeitig mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin über einen Wunsch sprechen. Diese Fragen betreffen unterschiedliche Bereiche ihres Lebens. Informationen zur Prävention erklären nicht automatisch, wie man sich ausdrücken kann; ein gutes Gespräch ersetzt keine verlässlichen Gesundheitsinformationen.

Was bedeutet sexuelle Lust?

Die WAS-Erklärung zur sexuellen Lust beschreibt sie als körperliches oder psychisches Vergnügen und Befriedigung durch erotische Erfahrungen, allein oder mit anderen. Sie verbindet Lust mit Voraussetzungen wie Einvernehmen und Entscheidungsfreiheit. Lust ist damit eine Dimension des Erlebens und keine Leistung, die erbracht werden muss.

Beim Lesen lassen sich die Begriffe in drei Fragen übersetzen: „Welche Informationen betreffen die Gesundheit?“, „Wie wird Sexualität erlebt?“ und „Was wird als angenehm empfunden?“ Das sind keine voneinander abgeschotteten Bereiche. Sie helfen, den jeweiligen Aspekt zu erkennen, besonders wenn eine Überschrift allgemein „mehr Wohlbefinden“ verspricht, ohne zu erklären, was damit gemeint ist.

Kann sexuelles Wohlbefinden auch ohne Sex wichtig sein?

Ja. Mitchell und andere haben ihr Modell auch für Menschen ohne Partnerschaft und für Menschen entwickelt, die nicht sexuell aktiv sind. Es betrachtet das Verhältnis zur eigenen Sexualität, ohne sexuelle Aktivität vorauszusetzen. Quelle: Mitchell und andere, 2021.

So bleibt Raum zum Lesen, ohne eine Aufgabe erfüllen zu müssen. Du kannst dich für die Geschichte der Lust interessieren, ein Wort verstehen wollen oder dich gegen eine Erfahrung entscheiden. Ein aufklärender Artikel sollte dir helfen, eine Frage zu verstehen, ohne festzulegen, welchen Platz Sex in deinem Leben haben soll. Aus Neugier muss kein persönliches Ziel werden.

Was lässt sich aus einer Definition nicht ableiten?

Eine allgemeine Definition belegt weder, dass ein Produkt die Gesundheit verbessert, noch, dass eine bestimmte Erfahrung einen medizinischen Nutzen hat. Um ein Versprechen zu beurteilen, braucht es konkrete Belege: Was wurde untersucht, mit welchen Menschen und mit welchen Ergebnissen? Der Zusammenhang zwischen Lust und Gesundheit eröffnet ein Gespräch. Er macht nicht jedes kommerzielle Angebot zu einer Gesundheitsempfehlung.

Quellen

  1. WHO: Sexual health
  2. Mitchell et al., 2021: What is sexual wellbeing and why does it matter for public health?
  3. WAS: Declaration on Sexual Pleasure

Aufklärende Inhalte: keine individuellen Diagnosen oder klinische Beratung.

← Zurück zum Blog